Ungeachtet des größten Ölunfalls aller Zeiten schließt der britische Energiekonzern BP eine neue Bohrung in dem Ölfeld unter dem Golf von Mexiko nicht aus. “Da ist noch eine Menge Gas und Öl, und wir werden irgendwann darüber nachdenken müssen, was wir damit machen”, sagte BP-Manager Doug Suttles vor Journalisten. BP war es zuvor gelungen, mehr als 15 Wochen nach der Explosion der “Deepwater Horizon” das Bohrloch von oben mit Zement zu verschließen.
Das lecke Bohrloch und die Entlastungsbohrungen zum Verschließen der Ölquelle würden jedoch nicht für die Förderung von Öl oder Gas genutzt, sagte Suttles weiter. Er nannte auch keine konkreten Pläne für den weiteren Umgang mit dem Ölfeld. Das Unternehmen habe sich seit der Explosion der Bohrinsel “Deepwater Horizon” Ende April auf den Kampf gegen die Ölpest konzentriert, sagte er. “Wir haben nicht einmal darüber nachgedacht, was wir mit diesem Reservoir und dem Feld eines Tages machen werden.”
BP war es am Freitag gelungen, mehr als 15 Wochen nach der Explosion der “Deepwater Horizon” das Bohrloch von oben mit Zement zu verschließen. In einem nächsten Schritt will BP das Bohrloch nun endgültig versiegeln: Dabei werden durch Entlastungbohrungen auch am unteren Ende der Ölquelle Schlamm und Zement eingefüllt. Laut BP könnte bei guten Wetterverhältnissen die erste dieser Bohrungen Mitte August abgeschlossen sein. Insgesamt waren rund 780 Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko ausgelaufen.
Nach Schätzungen der US-Regierung sind bereits bis zu drei Viertel des Öls wieder verschwunden. Ein Teil wurde demnach bei den Eindämmungsarbeiten verbrannt, aufgefangen oder durch Chemikalien aufgelöst. Ein weiterer Teil sei durch die Einstrahlung der Sonne verdunstet oder durch Mikroben zersetzt worden.
Die Leiterin der US-Meeres-Behörde (NOAA), Jane Lubchenco, erklärte aber, die wahren Auswirkungen auf die Umwelt würden “wahrscheinlich noch über Jahre oder Jahrzehnte hinaus” zu sehen sein. Ein Problem sei, dass auch zersetzte Ölreste noch giftig seien und Tiere und Pflanzen schädigen könnten.