Atomkraftwerk Foto: AFP Boris RoesslerDas Tauziehen innerhalb der Bundesregierung um die Verlängerung der Akw-Laufzeiten geht weiter. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) zogen unterschiedliche Schlüsse aus dem seit Freitag vorliegenden Energiegutachten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, ihre Aussage zu Gunsten einer Verlängerung um zehn bis 15 Jahre bedeute keine Entscheidung.

Drei Institute hatten verschiedene Szenarien für Laufzeitverlängerungen von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren berechnet. Bei der Auswertung des rund 200-seitigen Gutachtens wurden grundlegende Unterschiede der Auffassungen von Brüderle und Röttgen deutlich: Der Bundeswirtschaftsminister betonte, dass laut Gutachten die wirtschaftlichen und klimapolitischen Vorteile bei einer Verlängerung zwischen zwölf und 20 Jahren am größten seien. So könnten die Verbraucher bis 2030 acht Milliarden Euro Stromkosten pro Jahr sparen. Brüderle nannte die Akw-Laufzeitenverlängerung “einen wichtigen Baustein für das Energiekonzept”.

Röttgen hingegen sagte, die Laufzeitverlängerung habe “marginale und keinesfalls entscheidende Bedeutung” für das gesamte Energiekonzept. So liege der Strompreis 2050 im ungünstigsten Fall der berechneten Szenarien um nur 1,8 Cent pro Kilowattstunde höher als im günstigsten Fall. Mit Blick auf die langen Zeiträume und die starken Preisschwankungen selbst binnen eines Jahres sei das “kein entscheidender Unterschied”, sagte Röttgen. Auch der Ausstoß des Klimagases C02 steige bei geringen Laufzeitverlängerungen nur “geringfügig” an.

Röttgen betonte, die Ziele der Bundesregierung in Sachen Klimaschutz, Ausbau erneuerbarer Energien, Preisgestaltung und Versorgungssicherheit würden sowohl bei einer Verlängerung um vier Jahre als auch bei einer Verlängerung um 28 Jahre erreicht. Das Kabinett will am 28. September ein umfassendes Energiekonzept einschließlich einer Laufzeitverlängerung beschließen.

Merkel hatte am Sonntag in der ARD gesagt, sie halte eine Laufzeit-Verlängerung um zehn bis 15 Jahre für “fachlich vernünftig”. Dies sei aber noch keine Festlegung auf eine Laufzeitverlängerung, betonte ihr Sprecher in Berlin.

Auf die Atomkraftwerksbetreiber kommen im Falle einer Laufzeitverlängerung zudem womöglich milliardenschwere Sicherheitskosten zu, um sie beispielsweise vor Terrorangriffen zu schützen. Die Nachrüstkosten fallen laut Studie um so teurer aus, je mehr die Laufzeitren verlängert werden.

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